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Donnerstag, den 19. November 2009 um 13:56 Uhr


Abschied von sterbenden Riesen



Mitten in unserem schönen Wald entdecke ich, dass der gestrige Sturm Spuren hinterlassen hat. Deshalb also wurde die schöne, alte Buche „zum Tode verurteilt“ - markiert durch in die Rinde gefräste Kreuze. Ihre Zeit ist gekommen, in absehbarer Zeit werden noch mehr Lebende von ihrem toten Holz profitieren, nämlich zusätzlich zu den jetzt schon fleißig schmarotzenden Pilzen, Flechten und Moosen, den Käfern, Maden und Motten, den Würmern und Schnecken, auch noch der Mensch - sofern das Holz noch brauchbar und verwertbar für ihn ist. Ansonsten wird der zugunsten der anderen kleinen Lebewesen verzichten und das Holz dem langsamen Zersetzungsprozess überlassen – zur Freude von uns Fotografen.

Ich schaue mich um, und entdecke noch mehr markierte Buchen, auch eine alte Eiche, und einige junge Bäume, die lediglich gesprayt wurden – wohl weil ihr Stamm zum Einfräsen noch zu dünn ist. Es kommt mir vor, als befände ich mich mitten in einer Todeszone, je mehr ich mich umschaue.

Der Wald grenzt an ein Moorgebiet, welches renaturiert wurde. Ich mache mir Gedanken, ob das Sterben der Riesen wohl damit zusammenhängt, oder ob sie einfach ihr Höchstalter erreicht haben. Für Moore sind die Bäume der Tod – für Bäume feuchte Standorte und saurer Boden.

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Erklärungen zu den Fotos:

  1. (01) Das Loch, das der Sturm in den Stamm gerissen hat, sieht man als Spaziergänger erst auf den 2. Blick, denn irgendwoher muss der Ast ja herstammen, der so frisch gebrochen daliegt
  2. (02), sogar noch Reste auf dem Weg hinterlassend, die jedes Forstfahrzeug ausbremsen würden.
  3. (03) Ich verfolge den Stamm zu seinem Fuß und entdecke das Zeichen zum Abholzen.
  4. (04) Deutlich sichtbare Sturmspuren.
  5. (05) Einmal rundum sind die Einfräsungen an jedem Riesen.
  6. (06) Die markierten Bäume umranden eine Senke, die schon derart lange dort sein muß, dass sie ihren Wuchs angepaßt haben. Zu Füßen der Buche sieht man bereits den Befall mit dem flachen Lackporling (Ganoderma lipisiense). Diese Buche wird gerade an ihrer Basis zum Nährstofflieferant der Baumpilze. Auch ihre Tage sind wohl gezählt.
  7. (07) Der Baum wurde von mehreren Exemplaren befallen, eines fällt wegen seiner enormen Größe auf.
  8. (08) Dieser riesige Pilz ist beeindruckend. Die Größe seines Fruchtkörpers beträgt wohl etwa 40-50 cm an seiner breitesten Stelle. Ein Exemplar in dieser Größe habe ich noch nie gesehen. Es handelt sich vermutlich um einen Flachen Lackporling (Ganoderma lipsiense). Diese Art Baumpilz ist sehr langsam wachsend. Wie alt er dann wohl sein mag, und wie lange er wohl schon an der Buche nagt? Ich wundere mich nicht mehr über die Markierungen am Baum. Der Baum bekommt durch sie Weißfäule und wird schließlich einfach umfallen, wenn er nicht vorher gefällt wird.
  9. (09) Es sind nicht nur Buchen betroffen vom Sterben, sondern ebenfalls Eichen, wie man hier sieht. Allerdings sind diese in dem Wald in der Minderheit, zumindest mittendrin. Sie findet man eher am Rande.


Ich gehe weiter in den Wald hinein, weitere Bäume scheinen nicht mehr lange zu leben.

Kommentare zu den Fotos siehe unten.

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Ich habe mich nicht geirrt.

  1. (10) An einer anderen Todeskandidatin: Schon an der Basis wachsen appetitlich aussehende Pilze, folgt man mit seinen Augen den Verlauf des Stammes nach oben, entdeckt man zahlreiche Zunderschwämme und Lackporlinge. (11)
  2. (12 +13) Diese alte Buche bietet eine Vielfalt an Leben auf ihrem sterbenden Körper. Pilze in diversen Formen und Größen sorgen für die Verwandlung der Materie Holz. Moos siedelt sich an, und auch eine Nacktschnecke (14) fühlt sich hier wohl.
  3. (15) Man könnte meinen, der Baum würde seine Hörner zeigen und sich wehren. Das Gebilde erinnert mich sehr an einen Widder oder einen Stier.
  4. (16) Größenrelationen. Die alte stirbt, eine andere ist gestorben, aber um sie herum entfaltet sich Leben, die neue Generation wächst heran. Mögen einige der Jungbuchen so alt werden wie ihre Ahnen.
  5. (17) Totholz. So sagt man, aber dort hat sich eine Vielfalt von Leben entwickelt, und selbst die kleinste Nische wird als Lebensraum genutzt.
  6. (18 + 19) Zahlreiche tote Motten finde ich an den Bäumen und zu ihren Füßen. Ist auch ihre Zeit um? Oder haben die sterbenden Bäume für sie etwas Tod Bringendes? Ich finde sie ausschließlich in der Nähe oder an diesen todgeweihten Bäumen.........





Achtung: Pilze können oft erst durch gründliche Begutachtung eines Experten bestimmt werden. Die von mir angegebenen Namen sind unverbindlich. Irrtum vorbehalten.


 

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